Eine Twitter-Geschichte

Auf Twitter wird seit Januar diesen Jahres von drei Twitterern eine Geschichte geschrieben. Abwechselnd schreiben wir Drei jeden Tag bis zu 140 Zeichen und lassen auf diese Art eine Geschichte entstehen die ihre Besonderheit durch die verschiedenen Charaktere der Schreibenden erhält. Es gibt keine Absprachen untereinander und keine Vorgaben. Das macht dieses Vorgehen so besonders und hält jeden Tag den Spannungsbogen auf unkomplizierte Art und Weise aufrecht. Wir hoffen, ihr habt beim lesen ebenso viel Spaß wie wir beim schreiben.

Christiane, Claudia und Franky



Der verlorene Schatten

Verkrampft hielt er den Stift über das Blatt das vor ihm lag und Sein Blick ging ins leere.
Versonnen überlegte er, ob er diesen Brief schreiben sollte oder ob es klüger wäre, bei ihr persönlich vorbei zu gehen?
Der Weg war nicht weit und ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass noch Zeit wäre, denn seine Entscheidung zur weiteren medizinischen Behandlung hatte er gemeinsam mit seinem Arzt rechtzeitig getroffen.
Er musste endlich reinen Tisch machen und ihr die Wahrheit gestehen. So konnte es wirklich nicht weitergehen, je länger er wartete, und das war schon sehr lang, umso schwieriger würde es werden. Mit einem Ruck erhob er sich und zog aus der schwarzen Dokumentenmappe noch ein für ihn sehr wertvolles Schreiben, das er dieser Frau, die er im Geheimen anbetete, vor seiner Krankheit verfasst hatte. Nachdem er das Schreiben nachdenklich gelesen hatte, griff er zumTelefonhörer. Bedächtig tippte er jede einzelne Zahl ein, immer langsamer werdend. Das schrille klingeln an der Tür riss ihn unvermittelt aus dem Spiel der Zahlen. Unsicher schwankend setzte er Schritt für Schritt in Richtung seiner Haustür. Zögernd öffnete er sie. Er traute seinenAugen nicht; Ellen stand direkt vor ihm, schöner denn je.
Er gestikulierte ohne Worte finden zu können. Das Schreiben, dass er noch in der Hand hielt entglitt ihm und Martin konnte sich im letzten Moment mit seiner linken Hand am Stuhl neben der Tür abfangen, ehe ihn dieses bekannte unkontrollierte Zittern wieder überfallen würde. Ellen eilte zu Martin und half ihm sich zu setzen dabei erblickte sie auf dem Boden das Blatt Papier. Leer. Weiß. Nicht ahnend, dass die Rückseite beschrieben war legte sie es auf das Sideboard, ging eilends in die Küche um Martin ein Glas Wasser zu holen. Was Ellen übersah war Martins Nervosität. Er rieb sich mit dem Ärmel über die glänzende Stirn u. versuchte aufzustehen. Er wollte nicht, dass sie ihn so sah. Schatten der Vergangenheit fielen über ihn und wie in einem Film vor seinem geistigen Auge  sah Martin die Explosion, hörte darauf den heftigen Knall, roch etwas Beißendes, bis ihn das Dunkel umhüllte. Er schwankte hin+her wie ein Trunkener. Martin versuchte sich an der Stuhllehne festzuhalten. Der Stuhl kippte um, er durchlebte die Schrecken des grausamen Ereignisses, daß vor 2 Jahren geschah noch einmal als wäre es real!
Bedenklich aufhorchend, konnte Ellen gerade noch rechtzeitig das Glas abstellen, um Martin abzustützen, sodass er sich an ihr festklammern konnte. Diese innige Umarmung löste bei Ellen alt verdrängte Gefühle aus. Tränen schossen aus ihren Augen und zogen silbern glänzende Streifen als sie über ihre Wangen liefen. Sie wagte es nicht einzugestehen, wie sehr sie seine Nähe vermisst hatte. Half sie Martin jetzt nach der langen Zeit, wenn sie ihm gestehen würde, dass ihre damalige Entscheidung ein grosser Fehler gewesen war. Aber was hätte sie in ihrem Zustand voller Verzweiflung auch machen sollen? Doch über die Zeit war eine neue Gewissheit in ihr  herangewachsen Klarheit durch ihre wertvollen Erinnerungen und dem Wissen, dass Martin und sie trotz schmerzlicher Erfahrungen niemals im Stich lassen würde, obwohl sie ihn hintergangen hatte. Martin löste sich verlegen aus der Umarmung. Er traute sich nicht ihr in die Augen zu sehen. Nur ein tiefer Blick von ihr würde dieses Feuer in ihm stärker als je zuvor entfachen+ihn in den unbeschreiblichen Strudel seiner Gefühle hineinziehen.
"Ellen", begann er mit leiser Stimme. Sie legte zärtlich den Zeigefinger auf seine Lippen und erwiderte ergriffen "Psst, sag jetzt nichts, ruh dich aus." Ihre weiche Stimme nahm ihm die letzte Kraft, aber er spürte auch, dass sie ihm trotz alledem gut tat.
Auch wenn Martin jetzt gegen jede Vernunft handeln würde, beschloss er in diesem kurzen Moment, Ellen die Wahrheit über seine Gefühle, die er während all den Jahren immer noch für sie hegte zu offenbaren und wie er litt, sie an derSeite seines besten Freundes zu wissen. Dieser Schmerz und doch dieses Verlangen, diese Zerrissenheit. Martin schob ihren Finger sanft beiseite, richtete sich mühevoll auf und räusperte sich, denn ihm drohte erneut seine Stimme zu versagen. Sie standen sich lange schweigend gegenüber und sahen sich an. Ellen hielt diesen innigen Moment nicht mehr aus, sie öffnete den Mund und wollte gerade beginnen, als Martin mit überraschend fester Stimme sagte "Nein, jetzt rede ich. In unserer Vereinbarung legten wir fest, jeglichen Kontakt zueinander einzustellen. Doch nun sind Umstände eingetroffen, die mein bisheriges Leben völlig verändern werden. Ellen mir bleibt nicht mehr vielZeit. Ich hab dir einen Brief geschrieben. Du hast ihn sogar schon in Deinen Händen gehalten." Fragend, den Kopf zu Seite neigend, blickte Ellen langsam um sich. Meinte er das weiße Blatt? Jetzt erst drangen seine Worte tiefer in ihre Gedanken ein. Sollte das wirklich möglich sein, sollte also dieses unscheinbare Blatt Papier der Schlüssel zu allem sein? Neugier und Unglaube spiegelten sich in Ellen's Gesicht. Martin nickte ihr zu, sein durchdringender Blick irritierte sie. Plötzlich war sie wieder da, diese Mischung aus Faszination, Anziehung und Leidenschaft.
Etwas, was ihr früher Angst gemacht hatte. Ellen brachte nur verworren ihre Frage hervor, ob sie ihn richtig verstand oder ob er sich einen Scherz erlaube. Martin raffte sich auf, ging schweren Schrittes ohne ein Wort zu sagen in die Küche und nahm den Brief an sich. Verdutzt blickte Ellen ihm hinterher. Martin drehte sich halb zu ihr um und sagte: Zeit für Scherze habe ich nicht mehr.
Mit aufkeimenden Zittern reichte er ihr das Schreiben: Lies es bitte! Du wirst verstehen, warum diese OP bereits in einer Woche durchgeführt wird. Ellen konnte es nicht fassen,was sie zu lesen bekam. Ihr stockte der Atem. Erschüttert und ungläubig studierte sie die Zeilen. Nochmal, nochmal und nochmal. Irgendetwas stimmte da nicht. Aufgeregt wendete sie sich an Martin, bat ihn jetzt um ein Glas starken Wodka und eine Erklärung, weil die Buchstaben vor ihren Augen verschwammen. Trotz der ernsten Lage musste Martin lachen und fragte: Seit wann trinkst Du Alkohol? Ich trinke nie Alkohol, aber wenn ich Dir das Schreiben erklärt habe, dann brauchst Du auch einen, erwiderte Ellen. Nun war es an Martin sein staunendes Gesicht zu zeigen. Er schüttelte ungläubig den Kopf, ging Richtung seiner Bar und holte zwei Gläser sowie eine Flasche Wodka. Worauf wollen wir anstoßen - auf das Leben?
Ja, und auf ein Wunder! gab Ellen ihm, mit dem Schreiben wedelnd, zu verstehen. Du beziehst dich hier auf das Ergebnis eines Instituts, begann Ellen. Ich habe selber im erwähnten Institut Tests durchgeführt und festgestellt, dass Diagnosen manipuliert werden. Sie haben sich auf ein sehr gefährliches Spiel mit einem Pharmakonzern eingelassen.
Welche Medikamente nimmst Du?  Cilab... stockte er plötzlich. Warum kam er nicht selbst drauf? Er holte die Liste, die seine Medizin aufschlüsselt. Ellen konnte es kaum erwarten einen Blick auf die Liste zu werfen. Wenn ihre Vermutung stimmen würde, gäbe es für Martin mehr als nur Hoffnung. Während Martin ihr die Liste gab, berührten sich wie zufällig, ihre Hände und ein Lächeln breitete sich auf Ellens Gesicht aus. Ihre Augen begannen zu leuchten, voller Eifer sprudelte es aus ihr heraus: Martin, es besteht Hoffnung! Bitte wende dich an Professor Hanenkamp, er kann Dir helfen deine Krankheit zu besiegen.
Professor Hanenkamp? DER Professor Hanenkamp? Entsetzen spiegelte sich in seinem Gesicht. Vor dem hat mich mein Arzt gewarnt.
Du willt mir aber jetzt nicht erzählen, dass du solch einem Superspezialisten nicht vertrauen würdest? versuchte Ellen Martin zu beschwichtigen. Ich weiß, seine Methoden sind umstritten, doch Erfolg gibt ihm Recht und ich glaube, du solltest ihm und vor allem dir, eine Chance geben. Sie nahm seinen Kopf in ihre Hände und sagte: tu es mir zu liebe.
Ellen verspürte wie damals das Gefühl, sich in diese blauen Augen zu verlieren. Martin berührte sanft ihre Lippen. Ellen schloß die Augen, Gedanken rasten durch ihren Kopf. Zögerlich erwiederte sie Martins leidenschaftlichen Kuss um ihn dann sanft von sich zu schieben. Der Schatten der Vergangenheit lag noch zu sehr auf ihr, obgleich sie spürte aus Martins Berührung zu erahnen, dass er sie noch immer begehrte. Mit all ihrem Mut setzte Ellen erneut an: Bitte lass Dich nochmal untersuchen. Ich würde es nicht ertragen, dich zu verlieren. Martin, ich brauche Dich! Was damals war sollte uns jetzt nicht aneinander zweifeln lassen. Ich habe verstanden wo mein Platz ist und ich wünsche mir so sehr, dass Du mir verzeihen wirst.
Martin hatte in dieser einsamen Zeit viel nachgedacht, ihr längst vergeben, doch was wäre, wenn die Krankheit wirklich unheilbar ist? Würde Ellen seinen Zerfall ertragen? Dürfte er ihr das zumuten? Er richtete sich auf und sagte: Wenn du diesen Weg, egal wie er sich entwickelt, mit mir gehst, werde ich alles tun um unsere gemeinsame Zeit so gut wie möglich zu nutzen. Ellen, dass einzige was ich will ist, dass du glücklich bist.
Du weißt nicht wie lange ich auf diesen Moment gewartet habe, erwiederte Ellen unter Tränen der Rührung. Ich sehnte mich so sehr nach all deiner Wärme, deiner Nähe und deiner Liebe. Abrupt sah Ellen ihn an: Aber jetzt brauche ich noch eines. Dein Versprechen, Dich den Dämonen zu stellen, für uns zu kämpfen. Du bist nicht mehr allein, gemeinsam werden wir das meistern. Wie wärs wenn du meine Dämonen weg küsst, scherzte Martin. Ellen beschäftigte noch etwas anderes: Lukas! Ihr Mischlingsrüde den sie noch nicht lange hatte, der die ganze Zeit alleine zu Hause war und sicher raus musste. Oh nein! Ihn hätte ich fast vergessen! Martin, ich muss los, rufe dich später an, ergriff ihre Tasche und ließ ihn verdutzt stehen. Martin schüttelte amüsiert den Kopf und dachte: Typisch Ellen, weiss der Kuckuck wohin sie geht. Sie schafft es immer wieder zu überraschen. Erst jetzt wurde Martin bewusst in was für einem Stimmungshoch er sich befand. Sowas gab es schon lange nicht mehr. Jetzt da Ellen zu ihm zurückgekehrt war - eine SMS riss ihn aus seinen Gedanken. Er traute seinen Augen kaum, da stand: Bin unten am See mit Lukas, komm bitte schnell zum Bootshaus. Mit Lukas? Bootshaus? Noch verwirrender konnte es für Martin ohnehin nicht werden, als dass er sich entschloss, der Sache auf den Grund zu gehen.
Ihm kam in den Sinn, dass Bernd, Ellen´s Ehemann, ein Bootshaus am Rhein besass. Früher als er noch mit Bernd befreundet war, hatten sie viele Stunden dort verbracht. Und nun wartete Ellen dort auf ihn. Mit gemischten Gefühlen zog er seine Jacke über, ging nun ohne Zittern mit schneller werdenden Schritten hinunter zum Fluss. Von weitem vernahm erlaute Stimmen. Er sah, wie Ellen weinend ins Bootshaus rannte und wütend die Tür zuknallte. Ein hasserfülter Blick traf ihn, als er sich dem Bootshaus näherte und nach links blickte. In dieser verzerrten Fratze erkannte er seinen ehemals besten Freund wieder, der sich ihm voller Wut zuwandte. Bevor er etwas sagen konnte, hörte er Ellen laut aufschreien. Die Männer blickten sich erschrocken an. Bernd stiess Martin zur Seite. Von Ellen war nichts mehr zu hören. Eh Martin sich berappeln konnte hatte Bernd bereits das Bootshaus erreicht, riss die Tür auf und verschwand im Dunkel.
Furcht packte Martin im Genick, er konnte nicht klar denken. In ihm blitzte der Name Lukas auf. Hatte er sie entführt? Er schob den Gedanken beiseite; das müssen wieder die Dämonen sein, die ihn in letzter Zeit heimsuchen. Laute Schritte holten ihn in die Realität zurück. Bernd rannte an ihm vorbei, weg vom Bootshaus, gefolgt von einem Hund! Was zum Erstaunen, aber auch sehr lustig aussah; ein pitschnasses und bellendes Knäuel, das Bernds Hosenbein zu fassen bekam. Martin konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen "geschieht dir recht" dachte er. Doch seine Aufmerksamkeit galt Ellen die ihm ebenfalls pitschnass, vor Wut schnaufend und mit stapfenden Schritten entgegen kam. Eine absurde Situation.
Hast Du Dein Handtuch nicht dabei? Noch breiter grinsend, streckte Martin seine Arme Ellen entgegen, nahm ihre nasse Tasche. Was ist denn geschehen? Ellens Augen funkelten vor Wut. Das kann dir Bernd erzählen. Dann vergeht Dir das Grinsen. Martin hatte ganz vergessen wie bezaubernd Ellen aussah wenn sie sich ärgerte. Dieses Feuer in den Augen, doch jetzt war Vorsicht geboten, denn er wollte unbedingt noch herausfinden... Wo ist Lukas?, schrie sie fast vor Panik. Martin drehte sich zu Bernd, der mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden saß und sich fluchend die verbissene Wunde ansah. Lukas saß einige Meter davon entfernt als würde er Bernd bewachen. Das ist Lukas?, stammelte Martin halb entgeistert. Urplötzlich fing er an zu lachen, hielt sich den Bauch, als ihm dämmerte, dass sein "Konkurrent" ein Mischlingsrüde war.
Was gibt es da zu lachen! wetterte Bernd aufgebracht. Zu Ellen gewandt, jetzt nimm diesen Köter an die Leine, bevor ich ihn wirklich ersäufe! Das Knurren von Lukas ließ ihn zusammenzucken. Lukas, hier her, rief Ellen ihren kleinen Vierbeiner, während sie Bernd mit einem sehr missmutigen und vorwurfsvollen Blick bedachte. Lukas trottete vergnügt zu Ellen, die erleichtert seinen Kopf tätschelte.
Kann mir jemand erklären, was hier eigenlich vorgefallen ist?, fragte Martin. Dieser Verrückte, schimpfte Ellen und zeigte auf bernd, er will alles kaputt machen. Dabei hat er ja nun gar keinen Plan! Keinen Grund! Ellen regte sich immer mehr auf, bis Lukas sich auf seine Vorderpfötchen legte. Er wollte spielen! Sein Hinterteil ragte in die Höhe; das sah so lustig aus, dass Ellen kurz ihren Ärger vergass, aber wirklich nur kurz. Ich werde Dich verlassen, rief sie Bernd zu. Ich hätte mich nie mit Dir einlassen sollen. Ellen blickte voller Reue zu Martin auf, in Gedanken ihn erneut um Verzeihung bittend, quollen ihr lautlos die Tränen aus den Augenwinkeln. Ich kann so nicht mehr weitermachen. Bitte lass mich gehen. Du hast doch schon lange gespürt, dass kein "wir" zwischen uns gibt. Vielleicht sogar niemals gab. Lass uns keine Lüge weiterleben, die keinem von uns gut tun würde.
Sie begann zu zittern, nicht nur vor Aufregung, sondern ihr nasses Kleid wurde zunehmend kälter auf der Haut. Martin legte wortlos sein Jackett um Ellen´s Schultern, dabei sah er zu Bernd rüber, der verächtlich in ihre Richtung schaute. Langsam den Mund öffnend zischte er: Dann geh doch! Geht mir aus den Augen, alle beide.
Dieser Tonfall behagte Lukas gar nicht, ließ sein Knurren hörbar werden. "Wir sprechen uns später! Ich ziehe mir rasch frische Kleider an". Ellen eilte ins Bootshaus während die beiden Männer sich schweigend anstarrten. Plötzlich bekam Martin weiche Knie. Er zitterte, schwankte und suchte halt. Aber da war nichts. Bernd erschrak, als er das sah, sprang instinktiv auf Martin zu um ihn gerade noch rechtzeitig vor dem Aufprall abzufangen. In diesem Moment wurde Bernd einiges klar. Nun verstand er was Ellen ihm die ganze Zeit sagen wollte. "Hey alter Knabe, komm schon. Mach mir jetzt hier nicht schlapp!" Und während er versuchte ihn aufrecht zu halten, kamen ihm längst vergessene Bilder in den Sinn. Zu welchem Zeitpunkt, überlegte Bernd nun, lief das ganze so aus dem Ruder?
Er versuchte weiter Martin zu stützen und wach zu halten, denn er befürchtete, dass Martin jeden Moment das Bewusstsein verlieren würde. So nah war er seinem alten Freund lange nicht mehr. Ellen kam aus dem Bootshaus gelaufen und rief: "Arzt! Wir bringen ihn sofort in die Klinik!" Schon ergriff sie Martins Handy, das er in seiner Tasche trug, um ihn bei Professor Hanenkamp anzukündigen. "Was ist denn mit ihm los? " wollte Bernd wissen. Tränen schossen in ihre Augen: "Vielleicht muss er... Ellen brachte den Satz nicht zu Ende, aber Bernd war klar, dass er nicht gut enden würde. "Er wird das schaffen er ist ein Kämpfer, war er schon immer. Soll ich dich in die Klinik begleiten?" "Das würdest du tun?" antwortete Ellen überrascht. "Ich glaube, da ist einiges nicht gut gelaufen in der Vergangenheit" erwiderte Bernd "und mein Bein wird gleich versorgt. Du weißt schon, Impfung auffrischen! Doch alles halb so wichtig, als dass Martin Hilfe bekommt "Am besten ist es, wenn du dich gleich in der Klinik untersuchen lässt. Verdammt wo bleibt der Rettungsdienst!" Ellen beugte sich vor um Martin ins Gesicht schauen zu können. Er wirkte apathisch. Von weitem war endlich der Krankenwagen zu hören. Martin bewegte schwach seine Lippen, doch Ellen verstand sein Flüstern nicht. Zu spät, denn ihm setzte der Sanitäter, der rasch zur Stelle war, eine Sauerstoffmaske auf. Martin rang nach Atem, suchte verzweifelt den Blickkontakt zu Ellen, aber dann verlor er das Bewusstsein.
Sie waren schnell in der Klinik wo sie schon erwartet wurden und



@F_Hoepner

Letzte Aktualisierung: 14. Juni  2016